Weimarer Republik


Als Weimarer Republik (zeitgenössisch auch Deutsche Republik) wird der Abschnitt der deutschen Geschichte von 1918 bis 1933 bezeichnet, in dem erstmals eine parlamentarische Demokratie in Deutschland bestand. Diese Epoche löste die konstitutionelle Monarchie der Kaiserzeit ab und begann mit der Ausrufung der Republik am 9. November 1918. Sie endete de facto mit der Machtergreifung der NSDAP infolge der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933. Schrittweise wurden die demokratischen Strukturen durch Verordnungen des Reichspräsidenten vom 4. Februar und 28. Februar sowie schlussendlich mit Inkrafttreten des Ermächtigungsgesetzes am 24. März 1933 abgebaut.

Die Weimarer Republik entstand im Zuge der Novemberrevolution. Diese Bezeichnung der ersten auf nationalstaatlicher Ebene verwirklichten deutschen Republik ist auf den ersten Tagungsort der Verfassunggebenden Nationalversammlung, die Stadt Weimar, zurückzuführen. Der Staatsname Deutsches Reich wurde jedoch beibehalten.

Nachdem zunächst der Rat der Volksbeauftragten die Regierungsgewalt ausgeübt hatte, wurde auf Beschluss des Reichsrätekongresses am 19. Januar 1919 die Wahl zur Deutschen Nationalversammlung abgehalten. Am 11. Februar wählte die Nationalversammlung Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten, der am 13. Februar das Kabinett Scheidemann ernannte. Die Weimarer Reichsverfassung trat am 14. August 1919 in Kraft. Sie konstituierte das Deutsche Reich als föderative Republik. Staatsoberhaupt war der für eine Amtszeit von sieben Jahren direkt vom Volk gewählte Reichspräsident, der als Teil der Exekutive über weitreichende Befugnisse verfügte. Die Regierung führte der vom Reichspräsidenten zu ernennende und zu entlassende Reichskanzler, der dem Deutschen Reichstag gegenüber verantwortlich war. Als Volksvertretung mit umfassenden Gesetzgebungs-, Budget- und Kontrollrechten wurde der Reichstag für eine Legislaturperiode von vier Jahren nach dem Verhältniswahlrecht gewählt. Die Länder vertrat der Reichsrat. Die Parlamente auf Landesebene nannten sich Landtage, im Januar 1919 bildete sich der erste im Freistaat Mecklenburg-Strelitz.

Die Geschichte der Weimarer Republik lässt sich nach der Gründungsphase in drei Abschnitte gliedern. In den Krisenjahren von 1919 bis 1923 hatte die Republik mit den unmittelbaren Kriegsfolgen, einer Hyperinflation sowie zahlreichen Umsturzversuchen und politischen Morden zu kämpfen. In den Jahren von 1924 bis 1929 erlebte sie eine Zeit relativer Stabilität, wirtschaftlicher Erholung sowie außenpolitischer Anerkennung und Wertschätzung. Die Weltwirtschaftskrise ab Ende 1929, die Präsidialkabinette nach dem Bruch der Großen Koalition am 27. März 1930 und der Aufstieg der Nationalsozialisten mündeten schließlich in ihren Untergang.


Gedenktafel zur namen- und verfassunggebenden Weimarer Nationalversammlung am Großen Haus des Deutschen Nationaltheaters in Weimar
Kurz vor Ausrufung der Republik: Der SPD-Politiker Philipp Scheidemann spricht aus einem Fenster der Reichskanzlei zum Volk, 9. November 1918
Scheidemann ruft auf dem Westbalkon (zweites Fenster nördlich des Portikus) des Reichstages die Republik aus.
Kapp-Putsch 1920 in Berlin: Soldaten der Marine-Brigade Ehrhardt hissen die Kriegsflagge des Kaiserreichs mit den Farben Schwarz-Weiß-Rot.
Geldscheine zu einer Million Mark, als Notizblock verwendet, Oktober 1923
NSDAP-Versammlung im Bürgerbräukeller, ca. 1923
Rentenmark-Ausgabe am 15. November 1923
Hans Bredow bei der Grundsteinlegung des neuen Funkhauses am Reichskanzlerplatz in Berlin 1929
Ein Tänzchen von Sechstagebummlern in den frühen Morgenstunden beim Berliner Sechstagerennen, 1927
Kommunisten demonstrieren Stärke: Zug des Rotfrontkämpferbundes mit Ernst Thälmann und Willy Leow, Berlin-Wedding, 1927
Propagandawagen zur „Fürstenenteignung“, 1926
Gustav Stresemann 1926 vor der Vollversammlung des Völkerbunds
Verfassungsfeier im Berliner Stadion mit dem Reichsbanner der Republik, 11. August 1929
Wahlergebnisse der Reichstagswahlen 1919–1933. Die KPD (rot) und die NSDAP (braun) waren radikale Gegner der Weimarer Republik. Die DNVP (orange) hatte einen demokratisch-konservativen und einen rechtsradikalen Flügel. Um 1928 spaltete sich der konservative Flügel ab, die verbliebenen Parteimitglieder entschieden, unter der Führung Hugenbergs in Fundamentalopposition zu treten und mit der NSDAP zusammenzuarbeiten. Der starke Anstieg der Arbeitslosigkeit ab 1929 bewirkte auch eine Radikalisierung vieler Wähler. Davon profitierte vor allem die NSDAP, deren Stimmanteil von 2,6 % im Jahr 1928 auf 43,9 % im Jahr 1933 anstieg.[28]
Armenspeisung in Berlin: Gulaschkanone der Reichswehr, 1931
Gautreffen der Nationalsozialisten mit Adolf Hitler, 1931 in Braunschweig
Kabinett Papen; stehend v.l.: Gürtner (Justiz), Warmbold (Wirtschaft), Schleicher (Reichswehr); sitzend v.l.: Braun (Ernährung, Landwirtschaft), Gayl (Inneres), Papen (Reichskanzler), Neurath (Äußeres); es fehlen: Schwerin-Krosigk (Finanzen), Schäffer (Arbeit), Eltz-Rübenach (Verkehr, Post)
General Kurt von Schleicher geht zur Wahl, 5. März 1933
Kabinett Hitler: 1. Reihe sitzend, von links: Göring, Hitler, von Papen; 2. Reihe stehend: Seldte, Gereke, Schwerin von Krosigk, Frick, von Blomberg, Hugenberg. Die drei Nationalsozialisten (Hitler, Frick, Göring in Anordnung einer Dreierpyramide) sind also in diesem Photo von den restlichen Kabinettsmitgliedern „eingerahmt“, Januar 1933 in der Reichskanzlei
Adolf Hitler redet am 23. März 1933 in der Berliner Krolloper vor den Reichstagsabgeordneten zum Ermächtigungsgesetz, der Grundlage seiner Diktatur
Weihnachtsansprache von Wilhelm Marx im Dezember 1923. Marx war der am längsten dienende Reichskanzler der Weimarer Republik.
Wahlaufruf auf der Titelseite des Illustrierten Blatts, Januar 1919: „Deutsche! Schafft nach innen und außen Klarheit.“
Juni 1928: Kabinett Müller II. Stehend von links: Dietrich (DDP), Hilferding (SPD), Curtius (DVP), Severing (SPD), von Guérard (Zentrum), Schätzel (BVP). Sitzend von links: Koch-Weser (DDP), Müller (SPD), Groener (parteilos), Wissell (SPD). Nicht abgebildet: Stresemann (DVP)
Trauerzug für ermordete Polizisten, Berlin 1931. Vorne zweiter von rechts: der stellvertretende Polizeipräsident Bernhard Weiß (1927–1932)
Länder Deutschlands, 1925
Galka Scheyer, die „Prophetin der Blauen Vier“, mit Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Paul Klee und Alexej Jawlensky, Collage auf einer Zeitungsseite des „San Francisco Examiners“ vom 1. November 1925
Johannes Theodor Baargeld: Typische Vertikalklitterung als Darstellung des Dada Baargeld, 1920, Kunsthaus Zürich, Graphische Sammlung. Diese verfremdete Venus von Milo-Darstellung wurde im Rahmen der Ersten Internationalen Dada-Messe gezeigt.
Die Frankfurter Küche von 1926
Georg Wilhelm Pabst und Albert Préjean (als Mackie Messer) während der Verfilmung der Dreigroschenoper, 1931
Fritz Lang bei den Dreharbeiten zu Frau im Mond, 1929
Boxkämpfe im Berliner Lustgarten im Rahmen der Turn- und Sportwoche 1924
Entartete Kunst“: Ecce Homo von Lovis Corinth, 1925
Eigenanzeige der Weltbühne, 1929. Sie war als Wochenzeitschrift für Politik, Kunst und Wirtschaft ein Forum der Linksintellektuellen.
Alfred Hugenberg, „Medienzar“ und „DNVP-Vorsitzender“ (Aufnahme von 1933)
Kundgebung gegen den Versailler Vertrag im Berliner Lustgarten, im Juni 1932
Otto Braun (links) mit Rudolf Breitscheid, 1932