Wissensbilanz


Eine Wissensbilanz (engl.: intellectual capital statement) ist ein Werkzeug zur gezielten Darstellung und Entwicklung des intellektuellen Kapitals einer Organisation. Sie zeigt die Zusammenhänge zwischen den organisationalen Zielen, den Geschäftsprozessen, dem intellektuellen Kapital und dem Geschäftserfolg einer Organisation auf und beschreibt diese Elemente mittels Indikatoren.[1]

Die Wissensbilanz fokussiert die strategische Sichtweise von Wissen in Unternehmen. Während Wissensmanagement die Ressource Wissen auf operativer Ebene managt, beschäftigt sich die Wissensbilanz mit der strategischen Bedeutung von Wissen für die Wertschöpfung und die Zukunftsfähigkeit der Organisation. Einen wichtigen Bereich der Wissensbilanz stellt die Messung von Veränderungen im Wissensbestand dar. Somit ergänzen sich die beiden Konzepte optimal: Die Wissensbilanz gibt die strategische Richtung für das Wissensmanagementprojekt vor, die durch Maßnahmen des Wissensmanagements umgesetzt wird. Die Wissensbilanz wiederum stellt abschließend die erfolgte Veränderung des Wissensbestands und den erreichten Geschäftserfolg dar.[2]

Im Rahmen der Entwicklung von Wissensbilanzen wurde eine Reihe von Klassifikationen zur Identifikation unterschiedlicher Elemente des intellektuellen Kapitals vorgestellt. Ein im deutschsprachigen Raum weit verbreitete Unterteilung ist jene, die zwischen Human-, Struktur- und Beziehungskapital differenziert und im Rahmen des europäischen Forschungsprogramms MERITUM entwickelt wurde.[3]

Die Motivation für die Erstellung einer Wissensbilanz kann mehrere Gründe haben: Im Gegensatz zum klassischen Finanzberichtswesen ist die Wissensbilanz zukunftsorientiert. Sie enthält Aktivposten, die auf die zukünftige Wertschöpfung und das Erfolgspotential von Unternehmen in wissensintensiven Branchen entscheidenden Einfluss ausüben.

Die Erstellung einer Wissensbilanz ist mit zwei Zielen verbunden. Einerseits spielt die Verbesserung der Kommunikation zwischen der Organisation und ihrem Geschäftsumfeld (Stakeholder) eine wichtige Rolle. Die Möglichkeiten für die Gestaltung der Wissensbilanz sind, verglichen mit Finanzbilanzen, beachtlich, und auch der Interpretationsspielraum ist größer. Daraus ergibt sich die Konsequenz, dass einerseits ein besseres Eingehen auf die Informationsbedürfnisse der jeweiligen Zielgruppe ermöglicht wird, andererseits aber auch die Gefahr, die Wissensbilanz als Marketinginstrument zu missbrauchen.

Die zweite Zielsetzung betrifft das systematische Management des intellektuellen Kapitals der Organisation. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Bestimmung der erfolgskritischen immateriellen Faktoren und die Wechselwirkungen zwischen diesen Faktoren.[5]


Wissensbilanz 1.0
Wissensbilanz 2.0