Zhuyin


Zhuyin oder voll Zhuyin Fuhao (chinesisch 注音符號 / 注音符号, Pinyin Zhùyīn Fúhào, Zhuyin ㄓㄨˋ ㄧㄣ ㄈㄨˊ ㄏㄠˋ, auch Phonetische Mandarin-Symbole I) ist eine nichtlateinische, phonetische Transkription für die Mandarin-Aussprache der Han-Schriftzeichen. Nach den Lauten der ersten vier Zeichen des Systems ㄅㄆㄇㄈ (bo po mo fo) wird sie auch Bopomofo genannt. Auf der Grundlage der Phonetischen Mandarin-Symbole wurden Taiwanische Phonetische Symbole entwickelt, die hauptsächlich für das taiwanische Hokkien und Hakka benutzt werden.

Zhuyin Fuhao wurde während der ersten Nationalen Konferenz zur Vereinheitlichung der Aussprache 1913 als Umschrift der dort ebenfalls festgelegten „Nationalsprache“ 國語, Guóyǔ beschlossen[1], die heute noch so auf Taiwan genannt wird und der volksrepublikanischen Standardsprache 普通話, Pǔtōnghuà in etwa entspricht.

Die Idee, eine nichtlateinische Notation für die Mandarin-Sprache zu entwickeln, entsprang ursprünglich dem Philologen Zhang Binglin, der eine Art phonetisches Alphabet aus 15 Zeichen auf Grundlage der Orakelknochenzeichen entwickelt hatte und es 記音字母, Jìyīn Zìmǔ („Lautnotationsalphabet“) nannte. Die Zeichen von Zhang Binglin wurden als Grundlage genommen und durch weitere Zeichen erweitert. Die fertige Umschrift wurde bei Konferenzende zunächst als 注音字母, Zhùyīn Zìmǔ („phonetisches Alphabet“) verabschiedet, 1930 jedoch in 注音符號, Zhùyīn Fúhào („phonetische Symbole“) umgetauft.[2]

Von 1919 bis 1958 war sie in ganz China als Umschrift in Gebrauch, bevor sie durch die Einführung des lateinschriftbasierten Hanyu Pinyin verdrängt wurde;[3] auf Taiwan hingegen ist sie bis heute weit verbreitet. Einige Weiterentwicklungen (Bopomofo Extended) ermöglichen auch die Umschrift anderer auf Taiwan gesprochener Sprachen, beispielsweise von Hakka und Min Nan.

Auf Taiwan wird Zhuyin offiziell auch als MPS I bezeichnet, was eine Abkürzung für „Mandarin Phonetic Symbols I“ ist (國語注音符號第一式, Guóyǔ Zhùyīn Fúhào dì yī shì). Es erhielt diese Bezeichnung, als die taiwanesischen Behörden eine eigene lateinische Umschrift durchzusetzen versuchten, welche die Bezeichnung MPS  II erhielt.

In Kinderbüchern aus Taiwan wird oft jedes Han-Schriftzeichens zur Aussprachehilfe mit Zhuyin annotiert. Ähnlich wie die japanischen Ruby-Annotationen mit Furigana steht die Annotation bei vertikaler Zeilenausrichtung rechts von den Schriftzeichen und bei horizontaler Ausrichtung darüber. Zum Zweck der Aussprachehilfe wurde das Alphabet auch ursprünglich entwickelt; als Vorbilder dienten dabei dem Prinzip nach (jedoch nicht dem Aussehen der einzelnen Zeichen nach) die koreanische Hangeul-Schrift und die japanischen Silbenschriften Hiragana und Katakana. Eine Lateinschrift zu diesem Zweck wurde damals abgelehnt, um die asiatische Identität und die Unabhängigkeit Chinas vom Westen zu betonen.


Die ersten vier Zeichen „bo, po, mo, fo“ mit Lautwert (schwarz) und Beispielen (blau)
Farbliche Schematisierung der Bopomofo-Tastaturbelegung
Tastenhandy mit Zhuyin-Eingabe