Zwölftafelgesetz


Das Zwölftafelgesetz (lateinisch lex duodecim tabularum, auch leges duodecim tabularum „Zwölftafelgesetze“, lex Decemviralis und leges Decemvirales „Zehnmännergesetz[e]“, verkürzt duodecim tabulae „XII Tafeln“) ist eine um 451/450 v. Chr. von einem mit Regierungsgewalt ausgestatteten Zehnmännerkollegium in Rom erarbeitete Gesetzessammlung, die in zwölf bronzenen[1] Tafeln auf dem Forum Romanum ausgestellt war. Die Existenz der Tafeln ist nicht zweifelsfrei erwiesen, da auf Autopsie beruhende Zeugnisse nicht überliefert sind, überwiegend wird aber davon ausgegangen, dass es sie gegeben haben muss.[2]

Ausarbeitung und Verabschiedung des Zwölftafelgesetzes markieren einen Höhepunkt der Ständekämpfe zwischen Patriziern und Plebejern während der frühen Römischen Republik. In der nachfolgenden Zeit wurden sie vielfach ergänzt und aktualisiert. Für nahezu eintausend Jahre war sie die einzige Kodifikation des römischen Rechts, das mittendrin – während der frühen Kaiserzeit – sich vornehmlich als Juristenrecht darstellte.

Große Vorbildfunktion für Rom hatte das antike Griechenland. Von den Griechen hatten die Römer Zeichen und Zahlen übernommen und Rechnen und Schreiben gelernt.[3] Zwar war Griechenland strukturell in Staatenverbünden organisiert, es gab mithin keine einheitliche Gesetzgebung, aber sie hatten durchaus Erfahrungen in diesem Metier gesammelt.[4] So blieb es nicht aus, dass die Gesetzgebungen Drakons aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. und die Solons aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. besonders nachhaltigen Einfluss auf Rom ausüben konnten. Um die Zeit der Schaffung der XII Tafeln hatte sich zudem die kretische Stadt Gortyn ein Stadtrecht gegeben, das Ausstrahlungswirkung entfaltete.

Neben diesen Einflüssen bestand althergebrachtes spätetruskisches und frührömisches Gewohnheitsrecht. Dieses soll unter den vorrepublikanischen Königen in Teilen aufgezeichnet gewesen sein, sich aber auf den Kult beschränkt haben. Möglicherweise gingen die Aufzeichnungen mit dem Abtritt des jeweiligen Königs unter. Nach den Königen herrschten ausweislich des hochklassischen Juristen Sextus Pomponius „unsicheres Recht und irgendwelche Gewohnheiten“.[5] Die mussten sich allerdings gleichwohl auf Klagen und Einreden, Vindikationen und Kondiktionen, Sachmängel- und Deliktshaftung, Verträge und dingliche Rechte verständigt haben, denn sie wurden als ureigene Regelungsmaterie Inhalt der Kodifikation. Zudem hatte das griechische Recht nie die Komplexität der XII Tafeln erreicht.[6] Laut Cicero sind in der frühen Republik alle Gesetze, also Volksbeschlüsse, vom Senat vorher bestätigt worden (senatus auctoritas),[7] ein Verfahren, an dem die sogenannten Optimaten auch in späterer Zeit festhielten.


Darstellung der Zwölftafelgesetze am Reichsgerichtsgebäude in Leipzig (als Gegenstück ist dort auch eine gleich aufgebaute Darstellung der Zehn Gebote angebracht)